Weibliche Genitalverstümmelung

Female Genital Mutilation – FGM

Bei der weiblichen Genitalverstümmelung werden Mädchen* und Frauen* Teile ihres Genitals abgeschnitten oder anderweitig verletzt. Die Praktik ist international als schwere Menschenrechtsverletzung anerkannt und wird dennoch weltweit praktiziert. Auch in Deutschland leben aktuell rund 65.000 Betroffene und mindestens 15.500 gefährdete Mädchen*.

Weibliche Genitalverstümmelung hat viele körperliche und psychische negative Folgen für Betroffene:

Schmerzen und Blutungen, Infektionen und Harnwegsprobleme, Probleme bei Menstruation, Schwangerschaft und Geburt, Schock- und Angstzustände, posttraumatische Belastungsstörungen und vieles mehr. Auch das sexuelle Erleben und Lustempfinden wird durch die Genitalverstümmelung enorm beeinträchtigt.

Weibliche Genitalverstümmelung ist in Deutschland eine Straftat – auch wenn sie im Ausland im Rahmen einer sog. „Ferienbeschneidung“ praktiziert wird. Jedoch reichen Gesetze alleine nicht. Um gefährdete Mädchen* zu schützen, muss zu diesem Thema innerhalb der betroffenen Communities nachhaltig sensibilisiert und aufgeklärt werden. Bereits betroffene Mädchen* und Frauen* müssen umfassende Unterstützung erfahren.

icon-maedchen>
Scrolling Image Frame

Männliche Genitalverstümmelung

Male Genital Mutilation – MGM, „Beschneidung“

Die männliche Vorhaut macht ca. 50 % der gesamten Penishaut aus, bietet Hautreserven für die Erektion und ermöglicht einen natürlichen Gleitmechanismus. Sie ist mit tausenden Nervenenden und Tastkörperchen besetzt und ist daher der für sexuelle Empfindungen sensibelste Teil des Penis.

Erkrankungen der Vorhaut machen nur in seltenen Fällen ihre Entfernung medizinisch notwendig. Dennoch sind in Deutschland ca. 11% aller Männer „beschnitten“, davon größtenteils mit häufig zweifelhafter medizinischer Begründung. Nur ca. ein Zehntel aller Eingriffe erfolgt aufgrund kultureller oder religiöser Wünsche der Eltern.

Männer treffen oft auf Unverständnis oder gar Hohn, wenn sie an Folgen von MGM leiden und darüber sprechen. Dabei werden jährlich über 400 Jungen* allein in Deutschland in Krankenhäusern wegen Komplikationen stationär nachbehandelt.

Langfristige körperliche Folgen sind z.B. Sensibilitätsverlust, Orgasmusprobleme sowie Schmerzen bei Selbstbefriedigung oder beim Geschlechtsverkehr. Zudem sind psychische Spätfolgen möglich und dokumentiert.

In Deutschland sind medizinisch nicht notwendige Vorhautamputationen an Jungen* aus jeglichem Grunde am 12.12.2012 per Gesetz legalisiert worden. Bei Jungen* unter sechs Monaten dürfen sogar Nicht-Ärzt*innen diese Operation vornehmen. Da dieses Gesetz nur Jungen* schutzlos stellt, stellt es eine klare Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes dar.

icon-junge>
Scrolling Image Frame

Intergeschlechtliche Genitalverstümmelung

Intersex Genital Mutilation – IGM, Genitalzwangszuweisung

Wenn Kinder geboren werden, deren innere und äußeren Geschlechtsorgane (Genitalien) eindeutig nicht den medizinischen Normvorstellungen (männlich/weiblich) entsprechen, so spricht man von „Varianten der geschlechtlichen Entwicklung“- intergeschlechtliche / intersexuelle Kinder.

Eltern von intergeschlechtlichen Kindern haben oft Angst vor der Frage: „Was ist es denn?”. Häufig wird ihnen erzählt, ihr Kind bräuchte dringend ein „eindeutiges” Genital, sonst würde es von „den anderen” nicht akzeptiert werden. Dieser Druck führt dazu, dass viele intergeschlechtliche Kinder noch als Kleinstkind an den Genitalien operiert und somit verstümmelt werden. In den meisten Fällen wird versucht, das Genital einem „weiblichen Idealbild” anzugleichen.

Diese zwangsnormierenden Operationen stellen eine massive Menschenrechtsverletzung dar.

Die Folgen: das Entfernen der hormonproduzierenden Organe bedeutet immer eine lebenslange Unfruchtbarkeit. Die Operationen am Genital führen zu schweren Schäden an den Nervenbahnen und es kommt sehr häufig zum Verlust der Libido sowie dem Verlust der Sensibilität der Genitalien. Unter Umständen wird diesen Kindern mit der Operation ein Genital zugewiesen, welches nicht zum Selbstbild, dem Geschlechtsbewusstsein / der Geschlechtsidentität der betroffenen Person passt. Grundsätzlich bedeuten die Operationen einen schweren Eingriff in das geschlechtliche Entwicklungspotenzial, das (sexuelle) Selbstbestimmungsrecht und die Unversehrtheit.

Häufig werden intergeschlechtliche Kinder nicht über ihre Intergeschlechtlichkeit aufgeklärt und erfahren von den Eingriffen erst im Erwachsenenalter. All diese körperlichen und seelischen Verletzungen können zu immensen Traumata führen.

icon-intergeschlechtlich>
Scrolling Image Frame

Auswirkungen auf trans* Personen

Genitalien sind nur ein Hinweis auf das Geschlecht eines Kindes

Das Geschlecht eines Menschen sitzt nicht zwischen den Beinen, sondern zwischen den Ohren!

Das was wir sehen ist nicht das Geschlecht, sondern nur das Genital. Ob sich ein Mensch selbst als weiblich, als männlich, als Person zwischen diesen beiden Polen oder auch vollkommen außerhalb dieses Spektrums erklärt, bestimmen jedoch nicht seine Genitalien. Einzig sein Denken, Fühlen und Handeln, seine Interaktion mit anderen und seine Selbstwahrnehmung in seiner Umwelt sind dafür entscheidend.

Dieses instinktive Wissen um das eigene Geschlecht, das sogenannte Geschlechtsbewusstsein, ist keine Entscheidung. Es lässt sich nicht ändern. Wenn die körperlichen Merkmale nicht mit diesem Geschlechtsbewusstsein übereinstimmen und sich die Person mit ihrem nach der Geburt zugewiesenen Geschlecht nicht oder nicht ausreichend beschrieben weiß, dann ist dieser Mensch trans* bzw. transsexuell.

Es kommt zum Beispiel vor, dass Menschen mit einem Penis geboren werden, jedoch ein weibliches Geschlechtsbewusstsein haben.
Viele transsexuelle bzw. trans* Personen möchten ihre körperlichen Merkmale an ihr wahres Geschlecht anpassen.

Insbesondere für transsexuelle Frauen, denen als Kind die Penisvorhaut amputiert wurde, ergibt sich ein schwerwiegendes Problem: Ohne die Vorhaut fehlt bei einer genitalangleichenden Operation ideales Gewebe in der Größe einer Postkarte!

Bei einer genitalangleichenden Operation (z.B. Penis wird Vagina/Vulva) gibt es unterschiedliche Operationstechniken: Entweder wird die Vorhaut ein Teil des Vaginalkanals, sodass eine Beschneidung eine stark reduzierte Tiefe zur Folge hat. Oder die Vorhaut wird genutzt, um Klitoris, Klitorishäubchen und innere Schamlippen zu formen, welche nun nicht mehr oder nur noch aus weniger geeignetem Gewebe geschaffen werden können.

Die Operation wird wesentlich erschwert und das spätere sexuelle Erleben kann hinter den Möglichkeiten zurückbleiben.

icon-intergeschlechtlich>
Scrolling Image Frame